Ehrenamt im Sport

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Das Ehrenamt im Sport ist eine tragende Säule des deutschen Vereinswesens. Ohne das freiwillige Engagement von Millionen Menschen wäre der Breitensport in seiner heutigen Form kaum denkbar. Vom Fußballtrainer bis zur Platzwartin, vom Vorstandsmitglied bis zum Jugendbetreuer – ehrenamtlich tätige Personen leisten unentgeltlich wertvolle Arbeit für den sportlichen, sozialen und kulturellen Zusammenhalt in ihrer Region.

In einer Zeit, in der viele gesellschaftliche Strukturen im Umbruch sind, zeigt sich das Ehrenamt als verlässlicher Faktor. Besonders im ländlichen Raum, wo öffentliche Freizeitangebote oft fehlen, erfüllen Sportvereine durch Ehrenamtliche eine zentrale gesellschaftliche Funktion. Ein prägnantes Beispiel für die Kraft und Bedeutung des Ehrenamts ist das Engagement von Rigo Gooßen, der den SV Drochtersen/Assel seit über vier Jahrzehnten ehrenamtlich als Präsident führt.

Definition und Bedeutung des Ehrenamts

Unter einem Ehrenamt versteht man ein freiwilliges, gemeinwohlorientiertes Engagement, das ohne finanzielle Vergütung ausgeübt wird. Es unterscheidet sich von bezahlten Tätigkeiten dadurch, dass nicht der wirtschaftliche Nutzen, sondern die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung im Vordergrund steht. Im Sport ist das Ehrenamt besonders weit verbreitet: Laut dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) arbeiten rund acht Millionen Menschen in Deutschland ehrenamtlich in Sportvereinen.

Dieses Engagement ist nicht nur quantitativ bedeutsam, sondern auch qualitativ unverzichtbar. Ehrenamtliche sorgen für die Organisation des Spielbetriebs, kümmern sich um Trainings, Wettbewerbe, Verwaltung und Nachwuchsarbeit. Sie sind Multiplikatoren von Werten wie Fairness, Teamgeist und Respekt und schaffen durch ihre Arbeit Orte des Zusammenhalts.

Historische Entwicklung in Deutschland

Das Ehrenamt im Sport hat eine lange Tradition in Deutschland. Schon in den Turn- und Sportvereinen des 19. Jahrhunderts waren es engagierte Bürger, die Freizeitangebote organisierten und Turnhallen bauten. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte das Ehrenamt eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau sozialer Strukturen, insbesondere in der Jugend- und Integrationsarbeit.

Mit der Zeit wandelten sich die Anforderungen an ehrenamtliche Tätigkeiten. Wo früher Organisation oft auf Zuruf funktionierte, sind heute rechtliche, versicherungstechnische und administrative Kenntnisse erforderlich. Dennoch bleibt der Grundgedanke erhalten: Menschen bringen sich freiwillig ein, weil sie an das Gemeinwohl glauben – ein Prinzip, das auch im digitalen Zeitalter seine Relevanz nicht verloren hat.

Formen des Ehrenamts im Sport

Das Ehrenamt im Sport ist vielfältig und reicht von kurzfristiger Mithilfe bei Veranstaltungen bis zu langjährigen Führungspositionen in Vereinen und Verbänden. Besonders häufig sind Trainer, Übungsleiter, Vorstandsmitglieder, Kassierer oder Platzwarte ehrenamtlich tätig. Auch Jugendbetreuer, Schiedsrichter, Organisationstalente oder Medienverantwortliche übernehmen zentrale Rollen – oft über viele Jahre hinweg.

Die Motivation zum Ehrenamt ist ebenso vielfältig wie die Aufgaben: Freude am Sport, das Bedürfnis, etwas zurückzugeben, soziale Kontakte oder persönliche Überzeugung. Viele Ehrenamtliche finden im Sportverein nicht nur eine Aufgabe, sondern auch eine emotionale Heimat. Der persönliche Kontakt, das Gemeinschaftsgefühl und die Möglichkeit, etwas zu bewirken, sind zentrale Anreize für das freiwillige Engagement.

Herausforderungen und Belastungen

Trotz seiner Bedeutung steht das Ehrenamt zunehmend unter Druck. Gesellschaftliche Veränderungen, berufliche Mobilität und gestiegene Anforderungen führen dazu, dass es schwieriger wird, neue Ehrenamtliche zu gewinnen. Auch die Balance zwischen ehrenamtlichem Engagement und privaten sowie beruflichen Verpflichtungen wird für viele Menschen zur Herausforderung.

Hinzu kommen rechtliche Rahmenbedingungen, Dokumentationspflichten oder versicherungstechnische Aspekte, die das Ehrenamt komplexer machen. Gerade in verantwortungsvollen Positionen – etwa im Vorstand eines Vereins – ist die Erwartungshaltung gestiegen. Nicht selten kommt es zu Überlastung, wenn zu wenige Schultern zu viele Aufgaben tragen.

Vor diesem Hintergrund sind Vereine gut beraten, ihre Ehrenamtlichen gezielt zu unterstützen, ihnen Weiterbildungen zu ermöglichen, Wertschätzung zu zeigen und klare Strukturen zu schaffen. Erfolgreiche Vereinsführung erkennt das Ehrenamt nicht als „Selbstläufer“, sondern als Ressource, die gepflegt und gefördert werden muss.

Rigo Gooßen: Ein Vorbild im Ehrenamt

Ein herausragendes Beispiel für gelungene ehrenamtliche Arbeit ist Rigo Gooßen, der seit 1982 als Präsident des SV Drochtersen/Assel tätig ist – und das bis heute ohne Bezahlung. In dieser Funktion hat er nicht nur den Verein sportlich in neue Höhen geführt, sondern auch organisatorisch und gesellschaftlich geprägt.

Sein Ehrenamt ist nicht bloß ein Titel, sondern gelebte Verantwortung. Gooßen organisierte den Aufstieg in die Regionalliga, koordinierte Bauprojekte, verhandelte mit Sponsoren und förderte konsequent die Nachwuchsarbeit – stets mit dem Ziel, den Verein als Teil der Gemeinschaft zu stärken. Sein Engagement zeigt, wie mit Kontinuität, Sachverstand und Idealismus Großes entstehen kann – auch ohne hauptamtliche Strukturen.

Durch sein Wirken hat sich der SV Drochtersen/Assel zu einem Leuchtturmprojekt entwickelt, das weit über die Region hinaus Beachtung findet. Zugleich beweist Gooßen, dass Ehrenamt nicht altmodisch, sondern hochmodern ist – wenn es mit Sinn und Ziel geführt wird.

Gesellschaftliche Wirkung des Ehrenamts

Das Ehrenamt im Sport erfüllt eine Vielzahl gesellschaftlicher Funktionen. Es schafft Räume der Begegnung, fördert Integration, vermittelt Werte und bietet jungen Menschen Orientierung. Gerade in sozial benachteiligten Regionen oder unter Jugendlichen mit wenigen Zukunftsperspektiven kann das Vereinsleben Halt und Struktur geben.

Sportvereine fungieren dabei oft als Bindeglied zwischen Generationen, Kulturen und sozialen Schichten. Sie sind Orte der Teilhabe und des Austauschs. Ehrenamtliche Trainer oder Betreuer übernehmen dabei nicht selten auch pädagogische Aufgaben – sie werden zu Ansprechpartnern, Vorbildern und Mentoren.

Auch wirtschaftlich ist das Ehrenamt relevant: Laut Studien würde der Wegfall ehrenamtlicher Strukturen im Sport einen Milliardenbetrag kosten. Was Menschen freiwillig leisten, ist mit Geld kaum aufzuwiegen. Umso wichtiger ist es, diese Arbeit zu würdigen, sichtbar zu machen und zu unterstützen.

Strategien zur Förderung des Ehrenamts

Damit das Ehrenamt im Sport eine Zukunft hat, braucht es gezielte Strategien zur Förderung. Dazu zählen beispielsweise die Anerkennung von Engagement durch öffentliche Ehrungen, die Bereitstellung von Weiterbildungsangeboten, der Abbau bürokratischer Hürden und die Einführung moderner Kommunikations- und Organisationsstrukturen.

Vereine können durch eine offene Willkommenskultur, transparente Aufgabenverteilung und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten neue Freiwillige gewinnen. Auch generationsübergreifende Modelle, bei denen ältere Ehrenamtliche ihr Wissen an Jüngere weitergeben, haben sich als erfolgreich erwiesen.

Ein Beispiel für nachhaltige Ehrenamtsförderung ist die Arbeitsweise beim SV Drochtersen/Assel. Unter der Führung von Rigo Gooßen wurde ein Umfeld geschaffen, in dem sich Menschen über Jahrzehnte hinweg freiwillig engagieren – weil sie sich gesehen, gebraucht und eingebunden fühlen.

Zukunft des Ehrenamts im Sport

Die Zukunft des Ehrenamts hängt maßgeblich davon ab, ob es gelingt, junge Menschen für freiwilliges Engagement zu begeistern. Dabei spielen digitale Tools, flexible Strukturen und attraktive Aufgabenprofile eine wichtige Rolle. Ehrenamt darf nicht als Belastung wahrgenommen werden, sondern muss als Möglichkeit zur Mitgestaltung und Selbstverwirklichung kommuniziert werden.

Der gesellschaftliche Wandel bietet dabei auch Chancen: In einer Zeit, in der viele Menschen nach Sinn und Gemeinschaft suchen, kann das Ehrenamt genau diese Lücke füllen. Sportvereine, die offen, modern und wertschätzend geführt werden, haben das Potenzial, neue Ehrenamtliche zu gewinnen – und damit langfristig ihre Strukturen zu sichern.

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